
Rachel Kushners Roman „See der Schöpfung“ hat mich (Astrid) ganze drei Tage meines Lebens gekostet: weil ich nicht mehr aufhören konnte, zu lesen. Er spielt im warmen Sommer auf dem Land in Südwestfrankreich und seine Hauptfigur Sadie ist Agentin mit Migrationshintergrund (= US-Amerikanerin).
Sadie wird von Auftraggebern, die sie nicht mal kennt, auf linke Gruppen und Ökoaktivistinnen angesetzt und sie macht ihre Sache verdammt gut. Wenn die Anschläge, die sie verhindern soll, gar nicht geplant waren, sorgt sie dafür, dass sie stattfinden. Ihre Eintrittskarte in die linken Gruppen heißt Beziehung. Das Bedürfnis, geliebt zu werden, öffnet alle möglichen Türen. Wenn Sadie beschreibt, welche romantischen Gefühle ihr Gegenüber hegt, killt sie meine Sympathie mit einem Satz: „Die Dinge liefen genau so, wie ich es geplant hatte.“
Zugleich überzeugt mich die Figur Sadie mit ihren Witzen über Luftgänsefüßchen oder den künstlerischen Wert der meisten Graffity. Sie fängt mich als Leserin ein mit ihren nachdenklich machenden Analysen der Linken, ihrer Ansprüche und Sehnsüchte.
Mit ihrer Infiltration einer in Südfrankreich tätigen Öko-Kommune haben wir den Stoff für einen Krimi für „Leute wie uns.“ Es kommt aber noch eine Ebene hinzu, die den Roman für mich wertvoll macht:
Als fiese Agentin ist Sadie nämlich zu gut. Sie stößt bei ihren sehr gründlichen Recherchen auf Emails, die der alte Bruno an die Kommune schreibt. Über Neandertalerinnen, die keineswegs ausgestorben sind oder vom Homo Sapiens abgelöst wurden. In 4 % der heute lebenden Menschen hat sich ihre Intelligenz fortgesetzt. Sadie liest über die Cagots, Frankreichs „Unberührbare“, die im 16. Jahrhundert gemeinsam mit Bauern rebellierten. Sie liest über Wahrnehmungsmöglichkeiten im Dunkeln, über Höhlenmalereien, über Piratinnen. Mit ihr erfahren wir von Lebensweisen, die der alte Bruno für vorbildlich hält. Er erstaunt damit nicht nur mich als Leserin, sondern erreicht ebenso die Agentin Sadie…
„Mit GPS kann man seinen Standort feststellen, ohne aus dem Fenster zu blicken. Man kann seinen Standort kennen, ohne seinen Standort zu kennen.“ (S. 468)
Rowohlt-Verlag 2025, 26 € und „natürlich“ bei Taranta Babu erhältlich.
ÜBERRASCHUNGSTÜTEN Wir, ein kleines Team, versuchen eine Wiederbelebung des Buchladens. Unser Ziel ist es, neue ausgewählte Bücher und gute, alte Klassiker mit gesellschaftskritischem Blick in der Tradition des Taranta Babus anzubieten und so eine „etwas andere Buchhandlung“ zu erhalten.
Aktion: Unsere Überraschungstüten

10,- Euro für 5 Bücher
Unseren großen, alten Buchbestand müssen wir reduzieren. Wir wollen uns etwas verkleinern und etwas Platz schaffen für Neues. Wir möchten mit unseren Büchertüten noch eine Spende für den Buchladen zu erzielen und hoffen auf eure solidarische Unterstützung.
RADIKALE ALTERNATIVEN
Was mir (Anja) an dem Buch gefallen hat:
Dieses Buch zeigt eindrücklich und mit vielen guten Beispielen auf, dass es sehr wohl verschiedene Ansätze, Ideen und Alternativen zum oft als alternativlos dargestellten Kapitalismus gibt. Die Autoren verbinden dabei Vorschläge aus unterschiedlichen Weltregionen. Es geht also darum, den einseitigen Fokus auf immer weiteres Wachstum zu überwinden, damit es sozial(er), gemeinschaftlich(er) und gerecht(er) werden kann. Kurz: Es geht um Alternativen, die ein gutes Leben innerhalb planetarer Grenzen für alle ermöglichen.

Erscheinungstermin: 19.03.2018
Preis: 16,– Euro
Der Kulturtheoretiker Fredric Jameson sagte einmal, es sei leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Alternativen zum kapitalistischen System werden in unserer Gesellschaft meist als reine Utopien belächelt.
Aber warum eigentlich? Können wir nicht die verschiedenen Gegenentwürfe aus dem globalen Süden und Norden verbinden, um ein für alle Mal aus dem Labyrinth des Kapitalismus auszubrechen? In ihrem Buch laden Alberto Acosta und Ulrich Brand genau dazu ein. Sie plädieren für eine vereinte Vorstellung von einer gerechteren, besseren Zukunft. Diese gilt es entlang der Gemeinsamkeiten und Unterschiede des europäischen Degrowth-Konzepts, das eine gerechte Abkehr vom Wachstumsgedanken fordert, und des lateinamerikanischen Post-Extraktivismus, die Begrenzung der Ausbeutung von Rohstoffen und Ressourcen, zu entwickeln.

